Luftheberbau


Im Schnelldurchlauf ...

36m Kabelverlegerohr mit 20mm Durchmesser, 200 O-Ringe (20mm Innendurchmesser, Schnurdicke 3,5mm), 100 Luftschlauchanschlussnippel mit Gewinde (M8), 3m durchsichtiges PVC Rohr mit 32mm Durchmesser und 3mm Wandstärke, dazu einen Sack voll Werkzeug, ein Vereinsheim am Samstagmorgen und am allerwichtigsten: einen Stall voll hochmotivierter Mitglieder der Jugendgruppe. Dann ein wenig erklären, viel sägen, bohren, entgraten und basteln und nach knapp 5 Stunden, nur unterbrochen von einem kurzen Mittagessen mit heißen Würstchen und Brötchen, lagen sie vor uns: 100 monstercoole und saugut funktionierende Luftheber für unterschiedliche Beckenhöhen. Die Jugendgruppe durfte sich eindecken – schließlich haben die geschuftet wie die Brunnenputzer – der Rest der Luftheber findet hoffentlich reißenden Absatz unter Züchtern und Vereinsmitgliedern – für nur € 5,- seid Ihr dabei, liebe Freunde und Gönner des GASTEROSTEUS ...

...  und jetzt der Reihe nach

Aber der Reihe nach: einige Mitglieder der Jugendgruppe, Jugendleiter Johannes Röck und Tim Vogel trafen sich am Samstagmorgen, 16.02.2008, um 10:00 Uhr im Vereinsheim des GASTEROSTEUS. Unser Ziel: die erwähnten Luftheber zu bauen.
Ein Luftheber als solcher ist ja nichts Besonderes und lässt sich auf jeder Fischbörse in nahezu jedem Becken bewundern: Ein Rohr, da wird unten Luft reingeblasen, diese reißt beim Aufsteigen das Wasser durch das Rohr mit nach oben, dadurch entsteht eine Strömung, mit der man z. B. einen Filter antreiben kann.
Die von uns gebauten Luftheber waren von so genannter „tschechischer“ Bauart – warum die so heißen, weiß man wohl nicht so genau, angeblich wurden sie in der Tschechei (oder Tschechoslowakei?!?) erfunden, aber es gibt wohl auch Menschen, die da anderer Ansicht sind. Der Name interessiert uns aber auch nicht wirklich, Hauptsache, die Dinger haben einen und funktionieren. Was ist aber so besonderes an diesen Lufthebern? Nun – durch ihre Bauweise sind sie nicht nur sehr leise, sondern auch sehr effektiv:
Am Steigrohr werden am unteren Ende rundherum viele kleine Löcher (1mm) angebracht. Um die Löcher außen herum befindet sich eine Hülse mit einem Luftschlauchanschluss, die Hülse ist gegen das umgebende Wasser abgedichtet. Bläst man dann Luft hinein, dann blubbert sie aus dem Raum zwischen Hülse und Steigrohr über die kleinen Löcher in das Rohr hinein. Die Luft steigt dann in kleinen Bläschen, ähnlich wie bei einem Ausströmer, nach oben, deswegen sind die Heber so leise. Im Gegensatz zu einem Ausströmer erzeugen die Bohrungen aber einen wesentlich geringeren Widerstand – es geht also bei gleicher Pumpe mehr Luft durch. Die Luft kann sich im Innern schön gleichmäßig verteilen. Da sie von außen eingeblasen wird, steckt nix im Steigrohr drin, was den Querschnitt verengen würde, so dass das Wasser ungehindert durchströmen kann. Deswegen sind die Heber so effektiv. Noch einen Tipp am Rande: Wenn das Auslaufrohr des Lufthebers gerade zur Hälfte im Wasser liegt, ist er am leisesten. Wer das alles nicht glaubt, muss sich halt einen kaufen und es ausprobieren ...

Und wie bastelt man die Dinger nun?

Die Steigrohre wurden bei uns aus Kabelverlegerohr (20mm) aus dem Baumarkt mit einer Eisensäge gesägt und die Kanten mit einem Dreikantschaber oder einer Feile entgratet; diese Rohre sind unschlagbar billig und außerdem aus PVC, die könnte man wenn man will auch kleben. Am unteren Ende des Steigrohres wurden mit einem „Dremel“ viele, viele kleine 1mm-Löcher reingebohrt. Die Löcher wurden mit einer kleinen Feile von außen und innen ebenfalls entgratet bzw. von Spänen befreit. Die richtige Menge an Löchern lässt sich übrigens mit hochwissenschaftlicher Präzision ganz einfach ermitteln: Das große Loch am unteren Ende zu halten und in das andere große Loch hineinpusten, so dass die Luft nur durch die Bohrungen entweichen kann. Wenn man beim Durchpusten keinen oder fast keinen Widerstand mehr spürt, dann sind auf jeden Fall genug Löcher drin.

Bauplan eines Lufthebers Am oberen Ende des Steigrohres wurde ein 90°-PVC-Winkel aufgesteckt und dann an den Winkel noch ein kleines Stückchen Rohr als Auslauf angebracht. Damit die Rohre gut in den Winkeln stecken bleiben, wurde bei Bedarf ein wenig Teflonband um das Rohrende gewickelt. Man hätte das Zeug auch mit PVC-Kleber (z. B. Tangit®) verkleben können, aber so hat man die Möglichkeit, den Luftheber zu zerlegen, zu reinigen oder ein Stück zu kürzen oder sogar mit einer geeigneten Muffe und einem Stück Rohr zu verlängern (passende Muffen aus PVC gibt es übrigens auch im Baumarkt bei den Kabelverlegerohren); außerdem stinkt das Verkleben so fürchterlich ... Um die Löcher herum muss die Hülse angebracht werden, in der ja ein Luftanschluss sein muss. Die Hülse wurde aus einem stabilen und durchsichtigen PVC-Rohr gebastelt: ein 3cm langes Stück Rohr wurde mit einer Bohrung und einem für den Luftanschlussnippel passenden Gewinde versehen und der Nippel angebracht, hierfür brauchten wir einen Bohrständer nebst Bohrmaschine und passendem Kern- und Gewindebohrer. Was für ein Rohr man hier nimmt, ist eigentlich egal, die Wandstärke sollte nur dick genug sein, bei uns 3mm, so dass man einigermaßen vernünftig ein Gewinde reinbekommt und es sollte natürlich groß genug sein, dass es über das Steigrohr passt. Ein Spalt von rund 2-4mm zwischen Hülse und Steigrohr ist ausreichend, dafür kriegt man auch noch passende Dichtungen. Beim KHK Kunststoffhandel in Eggenstein kann man solche dicken Rohre kaufen, leider nur in großen Mengen (5m-Stangen). Um die Hülse abzudichten, werden passende O-Ringe verwendet, die oben und unten zwischen Hülse und Steigrohr reingedrückt werden.

Die O-Ringe wurden über den Internetversandhandel Lelebeck.de bezogen, die verschicken auch kleine Mengen zu günstigen Preisen. Die Größe der O-Ringe richtet sich nach dem verwendeten Material. Der Innendurchmesser des O-Rings entspricht dem Außendurchmesser des Steigrohrs und die Stärke des O-Rings ist einen halben Millimeter größer als der Abstand zwischen Steigrohr und Hülse (Unser Beispiel: Rohraußendurchmesser 20mm, Hülseninnendurchmesser 26mm ergibt einen Spalt von rundrum 3mm. Passende O-Ringe haben daher das Maß 20/3,5, also 20mm Innendurchmesser bei 3,5 mm Schnurdicke). Mit dem Fingernagel oder einem kleinen Schraubenzieher oder so ist der O-Ring sehr schnell zwischen Hülse und Steigrohr gefummelt und vor allem dicht. Die Schlauchnippel waren aus dem Internetversandhandel Deisterfische.de, genauso wie die PVC-Winkel. Die Gewinde der Schlauchnippel würden zu weit in den Luftraum hineinragen, wenn man sie ganz reindrehen würde. Daher muss man selbige entweder etwas kürzen oder man dreht beim Gewindeschneiden den Gewindebohrer nur halb rein, dann ist das Gewinde im Loch etwas enger und „unsauberer“. Dreht man dann die Nippel nur halb rein, sitzen sie stramm und sind dicht.

Arbeitsergebnis Nun muss nur noch ein Luftschlauch angeschlossen werden und es kann losgehen. Ein großer Vorteil des vorgestellten Lufthebers ist die Tatsache, dass er vollkommen ohne Verklebungen auskommt und unmittelbar einsatzbereit ist.
Durch die Abdichtung mit O-Ringen sind die Löcher, die der Luftzufuhr dienen, schnell freigelegt und gereinigt. Im Laufe der Zeit verkalken diese kleinen Löcher nämlich, wodurch die Leistung des Lufthebers sinkt. Die Hülse und die O-Ringe sind schnell entfernt, das untere Stück des Steigrohrs mit den Löchern wird abgebürstet und dann für ungefähr eine halbe Stunde in heiße Zitronensäurelösung (Zitronensäure als Pulver gibt es in jedem Drogeriemarkt) eingelegt, und schon ist alles (fast) wieder wie neu.
Das gesamte Ding ist vollständig zerlegbar, dicht, kostet nicht viel und lässt sich hervorragend reinigen. Also das Non-Plus-Ultra der Luftheber, und unsere Jugendgruppe hat einen Sack voll davon gebaut!
Der Jugendgruppe gebührt an dieser Stelle noch einmal ein ganz besonderes Lob – es hat richtig Spaß gemacht und Ihr wart superfleißig! Ganz großes Kino, Mädel und Jungs, weiter so! Auch wenn unkende Stimmen diverser an diesem denkwürdigen Samstag anwesender Vereinsmitglieder der Ansicht waren, es grenze an Sklaventreiberei, was da so im Börsenraum passiert ist, hat die Arbeit und vor allem das Ergebnis allen gefallen. Und wenn es Spaß macht, ist es ja keine Arbeit, und außerdem war ja die Polizei die ganze Zeit vor Ort, oder ...?
Also, liebe Vereinsmitglieder, für nur € 5,- seid Ihr dabei! Wir haben 3 verschiedene Längen gebaut, für Aquarien ab 30, 35 und 40 cm Höhe, und die kosten alle das gleiche! Was natürlich nicht heißt, dass man einen kurzen Luftheber niemals nicht auch für ein höheres Becken benutzen dürfte oder verlängern könnte ...

Weltklasse, oder nicht!?!

 

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